Muster konzept zur berufs- und studienorientierung des niedersächsischen kultusministeriums

Darüber hinaus gibt es Kurse, die zum Staatsexamen führen. Diese wechselten in der Regel nicht zum Bachelor- und Master-Abschluss. Für angehende Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker und Rechtsanwälte ist es erforderlich, dass die Staatsexamen in ihrem Beruf arbeiten dürfen. Für Lehrer, Richter und Staatsanwälte ist es der erforderliche Abschluss für die Arbeit im öffentlichen Dienst. Studenten studieren in der Regel 4-8 Jahre an der Universität, bevor sie das Erste Staatsexamen absolvieren. Danach arbeiten sie ein bis zwei Jahre (je nach Fach und Bundesland) in ihrem zukünftigen Beruf, bevor sie das Zweite Staatsexamen absolvieren können, das ihre praktischen Fähigkeiten auf die Probe stellen kann. Obwohl es sich formal nicht um einen akademischen Abschluss handelt, entspricht das Erste Staatsexamen einem Master-Abschluss und qualifiziert sich für ein Promotionsstudium. Auf Wunsch verleihen einige Universitäten Studierenden, die das Erste Staatsexamen bestanden haben, einen zusätzlichen akademischen Abschluss (z.B. Diplom-Jurist oder Magister iuris). 2015 erreichten rund 890.000 Asylsuchende Deutschland, die meisten von ihnen im Alter von 25 Jahren und jünger (BMI 2016: 15). Unter ihnen befanden sich eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die das Grundrecht auf Schulbildung (und auch die Pflicht) zur Teilnahme an der Schulbildung hatten. Aufgrund jahrelanger Kriege in ihren Heimatländern oder eines schlechten Bildungssystems hatten viele von ihnen eine begrenzte Schulzeit erhalten und hinkten damit ihren Altersgenossen in Deutschland hinterher, die eine kontinuierliche Bildungsbiografie verfolgt hatten.

Dies gilt auch für die großen Gruppen junger Erwachsener unter 25 Jahren, die ihr Studium in ihren Heimatländern nicht abschließen konnten und nun Möglichkeiten brauchten, um aufzuholen. Dieses Kapitel stellt die Ergebnisse einer empirischen Fallstudie vor, die 2016 an zwei Berufsschulen in einem abgelegenen, ländlichen Landkreis Ostdeutschlands durchgeführt wurde. In den letzten Jahrzehnten hatte die Region bevölkerungsische Verluste und nicht die Nettomigration erlebt, und es gab nur wenige Erfahrungen mit der Integration von Ausländern. Obwohl es theoretische Kenntnisse und Konzepte gab, waren sie nicht in die tatsächliche Erfahrung von Lehrern und Schulleitern eingebettet. Auch organisatorische Fragen werden in den jüngsten Studien angesprochen, da es viele Akteure im Bereich Asyl und Bildung gibt. Als Hindernisse für eine langfristige Integration werden unter anderem die langen Pendelwege von Flüchtlingsunterkünften zu Schulen (insbesondere in ländlichen Regionen), die erzwungene Sekundarmobilität von Flüchtlingsschülern, die zu einer Umverteilung an andere Schulen führen, sowie allgemeine Unsicherheiten in Bezug auf Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse für Flüchtlinge genannt. Das Interesse an der Integration von Flüchtlingen in berufliche Programme ist jedoch groß, insbesondere in Regionen ohne qualifizierte Arbeitskräfte (Speer und Klaus 2015, Braun und Simons 2016, Scheiermann und Walther 2016). Darüber hinaus fanden Heinrichs et al.

(2016: 235) Probleme mit unterschiedlichen kulturellen Ideen sowie Rassismus und Ablehnung und betonten die wichtige Rolle der Schulleiter bei der Förderung einer systemischen Integration von Flüchtlingsklassen in die Berufsschulen. Zwischen 2014 und 2018 wurde eine große Menge an sofortigen Forschungsarbeiten durchgeführt, die einen ersten Überblick über die wichtigsten Probleme und Fragen im Zusammenhang mit der pädagogischen Integration von Asylbewerbern im höheren Alter lieferten. Eine Reihe von Studien kritisieren die Lehrpläne für jugendliche Flüchtlingsschüler an Berufsschulen, die sich vor allem auf den Spracherwerb und nicht auf allgemeine bildungspolitische Inhalte ausrichten und damit die Schüler schlecht auf die Berufsausbildung oder die Arbeitsmarktintegration vorbereiten (Gag und Schröder 2014, Heinrichs et al. 2016, Paulsen et al. 2016, Vogel und Stock 2017). Dies spiegelt sich auch bei Arbeitsmarktakteuren wie dem Bayerischen Industrieverband wider, die behaupten, dass die derzeitige Vorbereitungsausbildung an Berufsschulen für Flüchtlingsschüler unzureichend sei (vbw 2016: 242).